Raum für Kunst und Natur - Cornelia Genschow Galerie, Bonn 2018



Installationsansicht
Aquarelle aus der Reihe "Herbstlaub", 2017-18, je 15 x 10 cm
Mitte: Lisa Creagh, Floriculture 1 und 2, 2009 und 2014, C-Print



 



Links: Herbstlaub 51, 2018, Aquarell auf Papier, 100 x 150 cm
Rechts: Blätter 41, 2017, Öl auf Holz, Durchmesser 30 cm





Artikel im General-Anzeiger Bonn vom 11.10.2018


Miniatur versus Großformat
Von Christina zu Mecklenburg


Auf seiner Suche nach einer Künstlerpersönlichkeit, die sein prospektives, in Eigenregie kuratiertes Sologastspiel begleiten könnte, stößt der Kölner Maler Andreas Hentrich (Jahrgang 1963) auf die englische Fotokünstlerin Lisa Creagh (Jahrgang 1972). Entstanden daraufhin ist ein prickelndes Projekt, das nicht allein von kontroversen Kompositionsmethoden und markant divergierenden Arbeitsergebnissen zehrt. Was einzig den Bogen schlägt zwischen Hentrichs Miniaturen und den vielfach monumentalen Farbfotografien der Kollegin, ist die motivische Einschränkung auf Blatt oder Blüte, deren phantasiestrotzende Abwandlungen wiederum einen atemberaubenden Reichtum auslösen.

Kameraaufnahmen von Blättern (etwa Ginkgo, Eiche, Ahorn) deren Umrisse auf gemustertes Origamipapier übertragen, sodann malerisch minutiös bearbeitet (Geheimrezepturen des einstigen Restaurators Hentrich) werden, bilden die Grundlage der virtuosen Reihe „Ornamental fall“ (50 Miniaturen, 15x10cm). Zu bestaunen ist das poetisierte oder dramatisierte Wirbeln, Treiben, der zur Erde taumelnden, sich wölbenden Laubwerke, deren ornamentale, bisweilen Rokoko und Stuck ähnliche Infrastrukturen durch immer wieder neue Erscheinungsformen und andersartige Koloraturen verblüffen.

Als Inspirationsquelle der Wahlpartnerin stehen indessen Pate: altpersische Teppichornamentik, keltische Emblematik, Stillleben niederländischer Meistermaler und deren Beleuchtungsstrategien sowie aktuelle Blumenzüchtungen. Mittels einer komplexen Software entfesselt die an Londoner Hochschulen ausgebildete Akademikerin in ihrem Hightech Studio (Brighton) eigenwillige, von Aura und Bannkraft gespeiste Blütenarrangements. Die aus tiefschwarzem Grund hervortretenden „nature morte vivant“ Szenerien setzen Synthesen von Jahreszeiten sowie entfernte Erinnerungen an die Malerei des phantastischen Realismus frei.

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